EBC

Eurode Business Center (EBC)

Ein weiteres Highlight grenzüberschreitender Wirtschaftsförderung ist das gemeinsame Dienstleistungszentrum Eurode Business Center (EBC).

Im Jahre 1997 wurde im Rahmen der Eurode-Zusammenarbeit die Idee geboren, ein grenzüberschreitendes Betriebssammelgebäude in Ergänzung zum Technologiepark Herzogenrath zu realisieren. Durch die regionalen Entwicklungsgesellschaften, der „Aachener Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer“ (AGIT) und der niederländischen „N.V. Industriebank LIOF“ wurde diese Idee zusammen mit den Städten Herzogenrath und Kerkrade detailliert ausgearbeitet. Der Mehrwert eines solchen Betriebssammelgebäudes sollte ein Beitrag zur grenzüberschreitenden wirtschaftlichen Entwicklung und die Möglichkeit der Verknüpfung der Netzwerke beider Länder sein.

In Anbetracht der Existenz diverser Betriebssammelgebäude und Technologieparks auf beiden Seiten der Landesgrenze sollte ein neu zu gründendes Betriebssammelgebäude nicht im Wettbewerb dazu stehen. Deshalb wurden als Themen die grenzüberschreitende Dienstleistung und grenzüberschreitende innovative Entwicklungen gewählt. Eine Konzentration solcher Aktivitäten bot die Möglichkeit, ein Pilotprojekt auszuführen, das auf den Ausgleich und die Harmonisierung der niederländischen und deutschen Rechtssysteme ausgerichtet war. Voraussetzung dabei war, dass das Gebäude genau auf der Staatsgrenze errichtet wurde.

Das EBC richtet sich vor allen Dingen an folgende Zielgruppen:

Allgemeine Dienstleistungsunternehmen, wie z.B. Zeitarbeitsvermittlungsfirmen, Rechtsanwaltskanzleien, Steuerberater, Unternehmensberater, PR- und Marketingfirmen, Institutionen der lokalen und regionalen Kulturförderung, der Naherholung und des Tourismus, Maklerfirmen und Immobilienunternehmen.

Spezifische Dienstleistungsunternehmen, wie z.B. (Tele-)Kommunikationsfirmen und grenzüberschreitende Multimediafirmen, Technologietransfereinrichtungen, komplementär zu den bestehenden High-Tech-Innovationstransferzentren, grenzüberschreitende Dienstleister im Bereich des Gesundheitswesens.

Eurode Business Center (EBC)
Eurode Business Center (EBC)

Eine wichtige Voraussetzung für den Standort des EBC ist, dass an beiden Seiten der Grenze in geringer Entfernung städtische Konzentrationsgebiete mit ca. 50.000 Einwohnern gegeben sind. Eurode ist als binationale Stadt mit ca. 100.000 Einwohnern in dieser Hinsicht einzigartig in West-Europa, mit klaren relationellen und funktionellen Verflechtungen. Beispiele für diese Verflechtung sind die Infrastruktur, der Arbeitsmarkt, Wohngebiete, grenzüberschreitende Naherholung, etc.. Sowohl auf sozial-gesellschaftlicher, sozial-ökonomischer als auch auf Raumordnungs- und städtebaulicher Ebene kann von enger Verflechtung und intensiven Verbindungen gesprochen werden.

Andere Standortbedingungen waren die Erreichbarkeit, Parkmöglichkeiten, vorhandene Telekommunikationsnetze und die Möglichkeit zu einem grenzüberschreitenden Gebäude mit markanter Ausstrahlung.

Als Standort innerhalb Eurodes lag ein Standort in der Nähe der Nieuwstraat/Neustraße aus den oben näher beschriebenen Gründen auf der Hand.     

Letztendlich wurde das Gebäude mit einer gewerblich nutzbaren Fläche von 3.630 qm am 5. Juni 2001 durch die damaligen Ministerpräsidenten der Niederlande, Wim Kok, sowie Nordrhein-Westfalens, Wolfgang Clement, seiner Bestimmung übergeben. Mit einem Besetzungsgrad von nahezu 100% beherbergt das EBC derzeit etwa 70 Firmen und Organisationen. Das EBC hat sich mittlerweile zu einem Euregionalen Kompetenzzentrum für länderübergreifende Wirtschaftstätigkeiten entwickelt, wobei die Vorteile der Bi-Nationalität genutzt werden können. So haben die Unternehmen die Möglichkeit, sich auf der deutschen Seite anzusiedeln und eine deutsche Unternehmensform, beispielsweise die einer GmbH, zu wählen. Oder man lässt sich auf der niederländischen Seite nieder und wählt die Rechtsform einer niederländischen BV. Manche Firmen haben sich auch auf beiden Seiten eingemietet und auf diese Weise zwei Rechtspersönlichkeiten erlangt. So können sie, da zwischen Deutschland und den Niederlanden erhebliche Unterschiede in Sachen Personalrecht, Steuerrecht, etc. bestehen, die jeweiligen Vorteile eines Landes gezielt nutzen.

Nur der Umzug innerhalb des Gebäudes von einer Staatsseite auf die andere ist derzeit leider noch nicht problemlos möglich, da hiermit aufgrund des Festhaltens am Territorialprinzip im Steuerrecht i.d.R. auch ein Wechsel in der Steuerhoheit einhergeht, was den vorwiegend kleinen Unternehmen natürlich viele ungewünschte Umstände bescheren würde.

Aus diesem Grunde waren wir seit geraumer Zeit bemüht, die steuerrechtliche Wahlfreiheit für dieses Gebäude zu realisieren. Aber wie immer, wenn wir als Kommunen auf Hemmnisse durch nationale Gesetz- und Regelgebung stoßen, war auch hier langer Atem und Beharrlichkeit vonnöten. Seit 1. Mai 2008 findet nun das „Dritte Zusatzprotokoll zum deutsch-niederländischen Doppelbesteuerungsabkommen“ auch auf das EBC Anwendung.

Die hierin eröffneten Möglichkeiten erlauben es den im EBC ansässigen Firmen, den Hauptteil ihrer Firma (inklusive Personal und Direktionssitz) auf der einen Seite der Grenze und den kleineren Teil auf der anderen Seite der Grenze zu haben und dann für den Gesamtbetrieb das Steuerrecht des Landes anwenden zu dürfen, indem sich der Hauptsitz der Firma befindet. Auch hier ist wieder festzustellen, wie wichtig eine flexiblere Handhabung bestehender Gesetze für unsere Grenzregionen ist.

Eurode-Bürgermeister Sprechstunde
Eurode-Bürgermeister Sprechstunde

Neben seiner Aufgabe als grenzüberschreitendes Dienstleistungszentrum erfüllt das EBC aber noch einen weiteren wichtigen Zweck. Es hat sich in den vergangenen Jahren zu einer anerkannten Begegnungsstätte für zahlreiche, grenzüberschreitend tätige, Institutionen entwickelt. Exemplarisch genannt seien hier neben dem geschäftsführenden Vorstand des Zweckverbandes Eurode die Stiftung Eurode 2000+, der ‚Runde Tisch’ der Euregio Maas-Rhein u.v.a.m..

Auch dient das EBC als Anlaufstelle für alle diejenigen Grenzgänger, die aufgrund der Tatsache, dass sie in dem einen Land leben und im anderen Land arbeiten, Fragen und/oder Probleme haben. So finden hier regelmäßige Grenzgängersprechtage statt, die von zahlreichen deutsch-niederländischen Grenzgängern aus dem gesamten Bereich der Euregio Maas-Rhein rege genutzt werden.

Auch die beiden Eurode-Bürgermeister bieten hier regelmäßig gemeinsame Bürgersprechstunden an.

Komplettiert wird das Angebot durch das Vorhandensein einer gemeinsamen deutsch-niederländischen Polizeidienststelle.